Interview: Pilotprojekt in Lima eröffnet neue Marktchancen für deutsche Wassertechnologien
In einer der trockensten Metropolregionen der Welt erprobte das EXI-Projekt NEWA-LIMA erfolgreich die kontrollierte Grundwasseranreicherung mit aufbereitetem Abwasser. Gleichzeitig entstanden internationale Partnerschaften und neue Marktchancen für deutsche GreenTech-Unternehmen.
Der weltweite Bedarf an nachhaltigen Lösungen für die Wasserversorgung wächst. Besonders in wasserarmen Regionen rücken innovative Ansätze zur Wasserwiederverwendung und zum Schutz von Grundwasserressourcen in den Fokus. Katharina Fesch berichtet im Interview über die Projektergebnisse in Lima und die Chancen deutscher Umwelttechnologien auf internationalen Märkten.
Über Katharina Fesch
Katharina Fesch arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am TZW:DVGW-Technologiezentrum Wasser. In der Abteilung Wasserversorgung beschäftigt sie sich mit Fragen der Trinkwasseraufbereitung und berät Wasserversorgungsunternehmen zu verfahrenstechnischen Themen. In den EXI-Projekten NEWA-LIMA und NEWA2 betreut sie den Bereich der kontrollierten Grundwasseranreicherung.
Frau Fesch, welches Problem wollten Sie mit Ihrem Projekt lösen – und welches wirtschaftliche Potenzial haben Sie darin erkannt?
Lima zählt zu den trockensten Metropolregionen der Welt. Die Wasserversorgung der rund zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Industrie steht deshalb vor großen Herausforderungen. Die Flüsse führen nur während der Regenzeit in den Anden Wasser. Gleichzeitig wurden die Grundwasserreserven über viele Jahre übernutzt und gereinigtes Abwasser bisher kaum wiederverwendet.
Mit dem Projekt NEWA-LIMA wollten wir zeigen, wie sich aufbereitetes Wasser gezielt in den Untergrund versickern lässt, um die Grundwasservorräte langfristig zu stabilisieren. Diese Form der kontrollierten Grundwasseranreicherung ist in Deutschland bereits etabliert. Gemeinsam mit einem lokalen Partner haben wir diese Technologie unter den Bedingungen in Lima im Pilotmaßstab erprobt. Daraus ergeben sich langfristig Marktchancen für Unternehmen aus der Wasserver- und Abwasserentsorgung.
Welche neuen Möglichkeiten haben sich durch das Projekt für ihr Unternehmen ergeben?
Das Projekt hat uns vor allem den Aufbau neuer internationaler Partnerschaften ermöglicht. Gemeinsam mit unserem peruanischen Projektpartner SEDAPAL konnten wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit etablieren und unser Wissen zu Fragen der Wasserversorgung austauschen. Gleichzeitig haben wir die Kooperation mit Forschenden der Universität Stuttgart vertieft und neue Kontakte zu Hochschulen in Lima geknüpft.
Darüber hinaus haben wir die Zusammenarbeit mit wichtigen internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit begonnen. Hierzu gehören etwa die Weltbank, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Besonders erfreulich ist, dass die Weltbank das im Projekt erprobte Konzept der Grundwasseranreicherung mit gereinigtem Abwasser aufgegriffen und in eine Initiative zur Kreislaufwirtschaft im peruanischen Wassersektor integriert hat. Zudem entstand aus einem der Kontakte ein Auftrag für eine Studie im Themenbereich Wasserversorgung in Peru.
Welche Rolle hat die Exportinitiative Umweltschutz dabei gespielt?
Die Exportinitiative Umweltschutz hat das Projekt durch ihre Förderung überhaupt erst ermöglicht. Darüber hinaus haben wir vom Austausch mit anderen geförderten Projekten profitiert. Besonders wertvoll war für uns die EXI-Jahrestagung. Dort konnten wir neue Kontakte knüpfen und Ideen für weitere Kooperationen entwickeln. Einige dieser Kontakte spielen inzwischen auch für unser aktuelles Folgeprojekt NEWA2 eine wichtige Rolle. Das Projekt schließt an die Erfahrungen aus NEWA-LIMA an und entwickelt die dort erprobten Ansätze zur nachhaltigen Wasserwiederverwendung und Grundwasseranreicherung weiter. So wollen wir einen langfristigen Beitrag zur Sicherung der Wasserressourcen in Lima leisten.
Wo sehen Sie künftig internationale Einsatz- und Marktchancen für Ihre Lösung?
Mit unserer Pilotanlage konnten wir zeigen, dass die kontrollierte Grundwasseranreicherung einen wichtigen Beitrag für die Wasserversorgung in Lima leisten kann. Besonders in trockenen Regionen bietet die Technologie weltweit großes Potenzial. Viele Standorte an der Westküste Südamerikas weisen vergleichbare Bedingungen auf und könnten von den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen profitieren. Gleichzeitig nehmen die Herausforderungen durch den Klimawandel und Trockenperioden weltweit zu. Die Nachfrage nach Lösungen zur Sicherung von Grundwasserressourcen wird daher in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen.
Welche Erfahrungen aus dem Projekt waren besonders wertvoll?
Besonders wertvoll war für uns die enge Einbindung lokaler Beteiligter. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen der Universität Stuttgart haben wir vor Ort verschiedene Workshops durchgeführt und Vertretende aus Behörden, Wasserversorgung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft frühzeitig in den Austausch einbezogen. So konnten Fragen und mögliche Bedenken offen angesprochen und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Das Projekt hat gezeigt, wie wichtig ein frühzeitiger Dialog für die Akzeptanz und erfolgreiche Umsetzung innovativer Maßnahmen ist. Aus unserer Sicht ist dieser Austausch ein entscheidender Erfolgsfaktor, wenn Projekte zur Grundwasseranreicherung später auch im größeren Maßstab umgesetzt werden sollen.


