Wasser- und Abwassertechnik

Wasser

Ressource schützen, Zukunft sichern

Sauberes Wasser ist Lebensgrundlage, Menschenrecht und zugleich ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Doch die Ressource ist weltweit bedroht. Bereits heute hat rund ein Drittel der Weltbevölkerung keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig verschärfen unzureichende Abwasserbehandlung, marode Infrastrukturen und die Folgen des Klimawandels die Lage. Die Exportinitiative Umweltschutz (EXI) unterstützt mit deutscher Umwelttechnologie den Aufbau nachhaltiger Wassersysteme weltweit und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG 6).

 

Kontakt

Exportinitiative Umweltschutz +49 30 72618 0999 E-Mail

Globale Herausforderungen: Warum wir handeln müssen

Grosse Kläranlage mit mehreren runden und rechteckigen Becken zur Wasseraufbereitung.

Die Vereinten Nationen warnen: Bis 2050 könnten mehr als fünf Milliarden Menschen unter Wasserknappheit leiden.1 Schon heute gelangen rund 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere2, mit gravierenden Folgen für Ökosysteme und die Gesundheit. Besonders betroffen sind Menschen im globalen Süden.3 In Sub-Sahara-Afrika wird die Wassernachfrage bis 2050 um 163 Prozent steigen.3 Bereits jetzt haben 42 Prozent der Haushalte in 15 großen Städten des globalen Südens keinen Zugang zu Leitungswasser. Seit 1990 ist die Zahl der städtischen Bewohner ohne solchen Zugang um mehr als 200 Millionen gestiegen.4 Weltweit leben 2 Milliarden Menschen – 26 Prozent der Weltbevölkerung – ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser.5

Die versteckten Kosten verschmutzten Wassers

Die wirtschaftlichen Schäden durch mangelhafte Abwasserbehandlung sind erheblich.6 Brasilien verliert jährlich 16 Milliarden US-Dollar in der Landwirtschaft durch kontaminiertes Bewässerungswasser, Indien über 2 Milliarden US-Dollar im Fischereisektor und 246 Millionen US-Dollar durch krankheitsbedingte Gesundheitskosten.6 

Ein durstiger Sektor: Wasser braucht Energie

Gleichzeitig zählen Wasser- und Abwasseranlagen in vielen Kommunen zu den größten Stromverbrauchern und machen bis zur Hälfte der gesamten Stromrechnung aus.7 Global beansprucht der Sektor bereits vier Prozent des Stromverbrauchs – eine Menge, die sich bis 2040 voraussichtlich verdoppeln wird.7,8 Zusätzlich verbraucht der Sektor das Energieäquivalent von 50 Millionen Tonnen Öl, hauptsächlich in Form von Diesel für Bewässerungspumpen und Erdgas für Entsalzungsanlagen.8

Wenn Abwasser krank macht und Ökosysteme kippen

Unbehandeltes Abwasser hat schwerwiegende Folgen für Ökosysteme und Gesundheit.9 Überschüssige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor führen zur Eutrophierung von Gewässern wodurch Algenblüten und durch Sauerstoffmangel „tote Zonen“ entstehen, in denen aquatisches Leben nicht mehr möglich ist.10 Für die menschliche Gesundheit ergeben sich Risiken durch die Kontamination von Nahrungsketten, Hauterkrankungen bei Landarbeitenden infolge direkten Kontakts sowie die Verbreitung und Entwicklung gefährlicher Krankheitserreger in verschmutzten Gewässern.11

Infrastrukturverluste und wachsende Risiken

Zusätzlich gehen in vielen Ländern große Mengen wertvollen Trinkwassers durch undichte Leitungen verloren.12 Werden diese Entwicklungen nicht gebremst, drohen in zahlreichen Regionen Engpässe in der Versorgung, gesundheitliche Risiken und Konflikte um die Nutzung dieser lebenswichtigen Ressource.

Der Beitrag der Exportinitiative Umweltschutz (EXI)

Die Exportinitiative Umweltschutz (EXI) setzt genau an diesen Herausforderungen an. Sie fördert den Transfer von deutschem Know-how und nachhaltigen Technologien, um Partnerländer bei der Entwicklung stabiler und ressourcenschonender Wassersysteme zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Lösungen, die ökologisch tragfähig, wirtschaftlich sinnvoll und langfristig betreibbar sind. 

Dazu gehören die Reduzierung von Leitungsverlusten, die Wiederverwendung von Wasser in Landwirtschaft und Industrie, der Ausbau des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und die Modernisierung bestehender Systeme. Ebenso wichtig sind Maßnahmen zum Schutz von Gewässern vor Schadstoffeinträgen, Strategien zur Anpassung an Dürren oder Starkregenereignisse sowie die Rückgewinnung von Ressourcen wie Phosphor, Biogas oder Metallen aus Abwasser. So trägt die EXI dazu bei, Wasserressourcen langfristig zu sichern, die Versorgung stabiler zu machen und Infrastrukturen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu gestalten.

EXI-Aktivitäten im Handlungsfeld Wasser und Abwasser

Seit ihrem Start 2016 hat die Exportinitiative Umweltschutz (EXI) im Bereich Wasser und Abwasser weltweit 66 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt 13,76 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Die Vorhaben reichen von innovativen Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung über energieeffiziente Abwasserbehandlung bis hin zu Konzepten für die Wiederverwendung von Wasser in Industrie und Landwirtschaft. 

Die EXI fördert dabei verschiedene Projekttypen mit klaren Schwerpunkten: Durchführbarkeitsstudien untersuchen technische und wirtschaftliche Aspekte innovativer Wassertechnologien in spezifischen Märkten. Pilot- und Modellvorhaben demonstrieren deutsche Umwelttechnologien unter realistischen Bedingungen vor Ort. Projekte zur Kompetenzentwicklung (Capacity Building) wiederum schulen lokale Akteure im Betrieb und Management nachhaltiger Wassersysteme. 

Besondere Fördergegenstände umfassen den Aufbau und die Anpassung technischer Anlagen, physischer Infrastrukturen sowie experimentelle Forschung mit investiver Komponente. So arbeitet das CANOPUS-Projekt in Ägypten mit einem integrierten Konzept daran, Meerwasserentsalzung umweltverträglicher zu gestalten, während das ANAJO-Projekt in Jordanien innovative Lösungen für die Wasserwiederverwendung in einem der wasserärmsten Länder der Welt entwickelt. Das Projekt HEALTH in Laos konzentriert sich auf die Verbesserung der Wasserversorgung in Gesundheitseinrichtungen und stärkt dabei gleichzeitig die Klimaresilienz des Gesundheitssystems.

Ein zentrales Merkmal ist die enge Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort, sodass die Lösungen an lokale Gegebenheiten angepasst und langfristig betrieben werden können. Projekte in Ländern wie Chile, Indien, Jordanien, Südafrika oder Tansania zeigen, wie deutsche Umwelttechnologie dazu beiträgt, Wasserressourcen zu sichern, Klimarisiken zu mindern und neue wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen.

In Asien zeichnet sich ein regionaler Schwerpunkt für das Themenfeld ab: 23 Projekte wurden dort im gesamten Förderzeitraum realisiert. Diese Konzentration erklärt sich durch die spezifischen Herausforderungen der Region: Vietnam kämpft mit industrieller Verschmutzung und urbaner Abwasserbelastung, während Indien als einer der größten Pharmazieproduzenten weltweit innovative Lösungen für hochkontaminierte Industrieabwässer benötigt. So wurde im Projekt pharmIn2 in Hyderabad eine Pilotanlage zur Behandlung toxischer pharmazeutischer Abwässer in Betrieb genommen. Ebenso führt die EXI in Vietnam Projekte für nachhaltige Stadtentwicklung und industrielle Wasserwiederverwendung durch, bei denen deutsche Umwelttechnologien an klimatische und infrastrukturelle Besonderheiten angepasst werden.


Die investive Komponente im Themenfeld Wasser und Abwasser

Bisher wurden im Themenfeld "Wasser- und Abwassertechnik" 16 Projekte mit investiver Komponente umgesetzt (Stand 03/2026).

In der EXI wurden seit 2021 insgesamt 15 Projekte mit investiver Komponente im Wasser- und Abwasserbereich gefördert. Mit einer Gesamtförderung von rund 8,1 Millionen Euro erproben und demonstrieren sie innovative deutsche Umwelttechnologien in 19 Ländern. Diese Projekte gehen über klassische Machbarkeitsstudien hinaus und umfassen den Aufbau, die Erweiterung oder Anpassung technischer Anlagen sowie physischer Infrastrukturen vor Ort.

Das Projekt WasserWert in Chile etwa entwickelte eine Ionenaustauscheranlage zur Rückgewinnung wertvoller Ressourcen wie Kobalt und Kupfer aus Bergbauabfällen. Damit entstehen nachhaltige Lösungen für die südamerikanische Bergbauindustrie. Das VINETA-Projekt wiederum installiert dezentrale Trinkwasseraufbereitungsanlagen in den pazifischen Inselstaaten Fidschi, Palau, Tonga, Kiribati und den Marshallinseln. Diese kompakten Aqua-CUBE-Anlagen mit modularer Niederdruck-Membranfiltration können dank Solarpanels autark betrieben werden und erreichen mit langlebigen Membranen eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahren.

Solche praxisnahen Showcases demonstrieren nicht nur, was unter realistischen Bedingungen möglich ist, sondern schaffen gleichzeitig konkrete Marktchancen für deutsche kleine und mittelständische Unternehmen in den jeweiligen Zielmärkten.


Ausgewählte Projekte

Die ausgewählten geförderten Projekte zeigen, wie Wasserwiederverwendung, Kreislaufansätze und Abwasserbehandlung konkret wirken – in Chile, Indien, Südafrika und darüber hinaus.